Großmarkt Leipzig

Das Fruchthandel Magazin sprach mit dessen Geschäftsführer Matthias Zimmermann

Fruchthandel Magazin sprach mit Geschäftsführer Matthias Zimmermann

Der aktuelle Standort des Großmarktes Leipzig, 1995 mit dem Güterverkehrszentrum an der A 14 gebaut, ist im vergangenen Jahr sozusagen volljährig geworden und als erwachsenes Unternehmen gut bei Kräften. Das Fruchthandel Magazin sprach mit dessen Geschäftsführer Matthias Zimmermann.

Fruchthandel Magazin: Ein Großmarktchef ist zufrieden, wenn es in den frühen Morgenstunden so richtig wuselt – und also seine Mieter zufrieden sind. Wie nimmt der nicht gebundene LEH der Region die Einkaufsmöglichkeit an?

Matthias Zimmermann: Ich freue mich, dass wir nach einem leichten Sinken ab 2007 im Jahr 2013 erstmals wieder die Anzahl der registrierten Kunden steigern konnten. Und die kämen ja nicht, wenn das Angebot zu wünschen übrig ließe. Rund 550 Einkäufer, in der Mehrzahl Einzelhändler, Hoteliers, Großküchen und Gastronomen, sind derzeit bei uns registriert. Auch der Radius, aus dem sie anreisen oder in dem sie beliefert werden, wuchs auf bis zu 100 Kilometern. Einerseits freuen wir uns, dass es mehr Kunden werden, was nicht nur die Kundenkartei, sondern auch die Bewegung der Schranke beweist. Gleichwohl registrieren wir auch, dass die Frequenz bei einigen zurück geht. Die Treibstoffkosten fordern ihren Tribut. Deshalb entwickelt sich für unsere Mieter deren Auslieferungsgeschäft dynamischer als der Verkauf hier vor Ort. Der größte Trubel in unserer Halle herrscht in den Morgenstunden der Montage und der Donnerstage.

FH-Magazin: Etwa 80% der Flächen sind vermietet. Wie sieht es aus mit dem Kommen und Gehen unter Ihrem Dach?

M. Zimmermann: Um der Wahrheit die Ehre zu geben, die Flächenvermietung liegt schon unter dem deutschen Durchschnitt. Dies hat historische Ursachen: Der neue Großmarkt wurde Anfang der Neunziger geplant, also in einer Phase des enormen, nahezu unberechenbaren Einzelhandel- Aufschwungs. Entsprechend groß war der von den Großhändlern erwartete Flächenbedarf. Deren Schätzungen bewahrheiteten sich allerdings letztlich nicht. Wir leben also vom ersten Tage an mit Leerstand. Aber der blieb 2013 wie schon in den Jahren zuvor unverändert, Auszüge und Neuvermietungen hielten sich die Waage. Leider haben wir UNIVEG in 2013 verloren und Mietverhandlungen mit einem Kartoffelgroßhändler führten nicht zum gewünschten Erfolg. Aber wir konnten fast gleichzeitig neue Mieter und nennenswerte Erweiterungen registrieren. Zu den Firmen, die sich größere Flächen genommen haben, gehört die Rolf Oertel GmbH Fruchtimport & Großhandel. Das über 100-jährige Leipziger Unternehmen brauchte mehr Raum, um seine wachsende Kundenzahl abzuwickeln und vor allem das Ausliefergeschäft zu forcieren. Hansen-Obst, ein Einzelhändler, der seinen Hauptsitz im Großmarkt Leipzig hat, brauchte größere Flächen, unter anderem weil er ins Online-Geschäft eingestiegen war. Ebenso hat der Online-Pionier Premium-Obst erweitert und der hat für 2014 noch viel vor. Neu angemietet hat im Sommer Frutti-World, ein kleiner Großhändler mit spanischen Wurzeln. Überhaupt hatten wir dank unserer spanischen Kontakte vor Ort einige Interessenten dieses Jahr. Derzeit bin ich in ernsthaften Gesprächen mit zwei neuen potentiellen Mietern, einer davon aus Spanien.

FH-Magazin: Bei einem früheren Gespräch mit unserem Magazin spielten Überlegungen zu einem eigenen Logistik- Angebot des Großmarktes eine Rolle. Was ist daraus geworden?

M. Zimmermann: In diese Richtung haben wir nicht weiter geplant. In erster Linie, weil wir den bei uns ansässigen Logistik-Unternehmen
nicht im Wege stehen wollen. Außerdem mussten wir einräumen: Die können das vermutlich besser.

FH-Magazin: Im Verband der Deutschen Frischemärkte wird die Öffnung der Märkte für den Endverbraucher diskutiert. Wie finden Sie diese Idee?

M. Zimmermann: Die Überlegung hat schon was. Aber die Vision braucht ein eigenes durchdachtes Konzept, das von ausnahmslos allen Beteiligten am Markt mitgetragen wird, ansonsten ist es zum Scheitern verurteilt. Ich könnte mir vorstellen, dafür eine eigene Fläche bereitzustellen und das Projekt einem erfahrenen Einzelhändler anzuvertrauen. Ähnlich einem Werksverkauf müsste solch ein Verbrauchermarkt eigene Öffnungszeiten, eigenes Personal und eine spezielle Gestaltung haben. Keinesfalls darf es aus meiner Sicht so sein, den Großmarkt zum Frische-Outlet-Center zu entwickeln. Meine Überlegungen gehen derzeit in Richtung Angebot von besonderen Sortimenten. Wir sind jedenfalls am Nachdenken und ich denke, es wird weiter spannend am Großmarkt Leipzig.

Quelle: FRUCHTHANDEL 05/2014